30. Oktober 2015 | Posted in:Sportler

Vom Nationaltrainer der EWTO in Slowenien zum eigenen Verband

12190180_10200956725597198_1716868304_oDai-Sifu Martin Dragos (geb. 1968) betreibt seit seinem 6. Lebensjahr Kampfkunst, wovon er sich die ersten 25 Jahre seiner WT-Ausbildung dem Kernspecht- und Leung Ting-WingTsun-System verschrieben hatte. Von 1994 bis 2000 war er slowenischer Nationaltrainer der EWTO und gründete nach seinem freiwilligen Ausscheiden seinen eigenen Verband „DRAGOS DEFENCE CLUB”.
2003 erfolgte die Ernennung zum Meister durch S. Iadarola. Obwohl seine bisherige Ausbildung umfassend und lückenlos war, erkannte Sifu Dragos über die Jahre jedoch, dass das klassische WT-System, welches er von seinen Lehrern gelernt hatte, eine Vielzahl von “Missing-Links” aufwies. Diese “nicht optimalen Eckpunkte” beruhten seiner Ansicht nach auf der traditionsbedingten Weiterführung ineffektiver und nie hinterfragter Muster, sowie fehlender Aspekte. Neben der technischen Seite, war es jedoch wieder die tiefe Enttäuschung über zwischenmenschliche Aspekte, die ihn dazu bewegte, endgültig von seinen Lehrern Abstand zu nehmen.

Evolution contra Tradition

Nach Sifu Dragos Ansicht sind es vor allem die falsch verstandenen Traditionen und die Eitelkeit vieler Meister, die eine Weiterentwicklung des Systems bereits seit Generationen hemmt. Seiner Beobachtung zufolge sind es vor allem die Chinesen, die sich zur Tradition verpflichtet fühlen, ja geradezu darin „gefangen” zu sein scheinen. Dieses Phänomen wird auch als „Nicht-Abweichen-Von-Der-Linie” beschrieben. Nach Ansicht von Sifu Dragos darf die Bewahrung und Konservierung angesammelten Wissens nicht zum Selbstzweck werden, sondern bedarf auch einer ständigen Überprüfung nach Sinn und Funktion. Die permanente Veränderung zum Besseren muss als Teil einer evolutionären Schaffenskultur begriffen werden.
Wer das Denken ausschließlich dem Lehrer überlässt, hat keine Chance auf Weiterentwicklung. Gefährlich ist auch die Einstellung, wonach andere besser denken könnten als man selbst. Anfänge sind immer holprig. Kommt der Stein durch gute Gewohnheiten jedoch ins Rollen, ist alles möglich! Wir leben in einer Zeit, in der wir, wie nie zuvor in der Geschichte, Zugang zu unterschiedlichsten Wissensbereichen haben. Auch ist uns der Zugriff auf Eindrücke sämtlicher existierender Kampfkünste möglich. Dies ist heute selbstverständlich. In früheren Zeitepochen war dies jedoch nicht der Fall. Wer die Tatsache verkennt, dass sich die unterschiedlichen Wissensbereiche zur Inspiration und Weiterentwicklung nutzen lassen, vergeudet wertvolle Potenziale. Nicht nur im WT gilt: die Kampfkünste wachsen zusammen!

Hinterfragung des “traditionellen Weges” / Entstehung von Geheimkult

Der traditionell asiatische Weg der Kampfkünste besagt: “weiche niemals von der Quelle ab, bleibe der Linie treu”. In ihrer Vorstellung findet eine Verschmutzung und Verwässerung statt, je weiter man sich von der so genannten “Quelle” entfernt. Auf den ersten Blick scheint dies Sinn zu ergeben – nicht jedoch in Bezug auf Wissenschaft und Evolution! Gerade im WT, welches den Anspruch erhebt, ein wissenschaftliches System zu sein, geht es nicht um Konservation um jeden Preis, sondern eine sich ständig weiter entwickelnde Idee. Nur erhaltenswerte Elemente schaffen es in die nächste Runde und bleiben für Folgegenerationen erhalten. In den Augen Sifu Dragos beraubt sich der Einzelne durch das Abgeben von Verantwortung und Kreativität an seine Ahnherren der Chance zur eigenen Entwicklung. Dabei ist Evolution die eigentliche Konstante. Sie ist überall und allgegenwärtig. Jede ernstzunehmende Kampfkunst ist das Ergebnis von in Generationen gewachsener Erfahrungen, welche jeweils nach Überprüfung Zugang zum System fanden. Ignorieren und verhindern wird diese Dynamik, bleiben wir in unserer Entwicklung stehen.

Entwicklung des DRAGOSWINGTSUN®-Systems

Innerhalb von 40 Kampfkunst- und anteilig 30 WingTsun-Jahren legte Sifu Dragos den Grundstein für sein eigentliches Werk, die Entwicklung des DRAGOSWINGTSUN® (DWT). Dieser Prozess war weniger beabsichtigt, sondern vielmehr das Ergebnis einer früh erworbenen Geisteshaltung, welche sich parallel zu seiner Ingenieurslaufbahn vollzog und zu seiner treibenden Kraft wurde: die Erforschung immer besserer Wege für die Umsetzung des WT in die Praxis. Dieser “Kaizen”-Weg (Kaizen; jap.,”Veränderung zum Besseren”) vollzog sich vor allem in den letzten 10-15 Jahren seines Schaffens und schuf ein WT-System mit einem bis dato nicht gekannten Qualitätsniveau. Vor allem der Langstock brachte aufgrund seiner einfachen Geometrie und bei Verwendung einer schweren Gewichtsqualität grundlegende Erkenntnisse, die sich auch auf das waffenlose System übertragen ließen. In der angewandten Praxis wurde schließlich schonungslos über Bord geworfen, was nicht gegen einen körperlich weit überlegene Angreifer funktionierte. Das Extrem ist unser Lehrmeister – es bringt jene Dinge ans Licht, die zuvor im Dunkeln lagen.

12179233_10200956725397193_1751917663_nDas DWT-System zeichnet sich heute aus durch die kampfsystematische Einteilung aller Szenarien in Angriff, Verteidigung und Notlösung, das Lösen von Problemen durch Denken in Funktionen, der Integration isometrischer Strukturen, das Nutzen gegnerischer Ressourcen durch Anwendung der “Relativen Kraft”, die Vereinfachung von Entscheidungen während der visuellen Vorkampfphase, die Integration von Waffenschrittarbeit in den unbewaffneten Teil des Systems und der Realisierung eines auf Mechanik beruhenden echten Automatismus bei unausweichlichen Kollisionen.

Die Erfahrung zeigt, dass das Erlernen des DRAGOSWINGTSUN® vom Schüler ein weit aus höheres Maß an Körperbeherrschung erfordert (und fördert), als dies für das Erlernen von klassischem WT der Fall ist. Gelingt es dem Schüler jedoch, durch Fleiß und Energie diese Hürde zu meistern, erreicht er ein bislang unbekanntes Niveau der Kampfkunst.

 Quelle: dragoswingtsun.com
Sihing Dirk

WingTsun seit 2004 bei Sifu Olaf Komoss; seit 2005 Übungsleiter; 2008 Prüfung zum 1. TG bei GM Sifu Martin Dragos; 2015 Krav Maga Basic und Law Enforcement Instructor MAA-I seit 2008 eigene Schule in Verden (Aller); Referent für Deeskalation, Selbstverteidigung, Kindertraining

Be the first to comment.

Leave a Reply



Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Facebook

Get the Facebook Likebox Slider Pro for WordPress