3. April 2015 | Posted in:Benefizseminar

Fragen an Andrea Riemann

  • Seit wann bist du in Brasilien, aus welchen Gründen bist du dorthin gekommen?

Ich war das erste Mal 1996 für ein halbes Jahr in Brasilien, um im Kinder- und Altenheim Instituto Santíssima Trindade einen Freiwilligendienst zu leisten. Grund dafür war eine Auszeit zu nehmen aus meiner bezahlten Arbeit im Krankenhaus und denen zu helfen, von denen ich schon viele Jahre vorher in unserer Kirchengemeinde gehört habe.

  • Wie hat sich deine Tätigkeit in Brasilien entwickelt?

Nach kurzer Zeit in Deutschland bin ich gleich wieder nach Brasilien geflogen und dann zuerst nur ein paar Wochen, beim nächsten Mal ein Jahr, dann wieder ein halbes Jahr zu bleiben und seit 2005 lebe ich nun ganz in Brasilien. 1999 lernte ich die Arbeit der Schulen der Armen kennen, die 2 Stunden vom Heim entfernt liegen. 2002 starteten wir das Projekt Sonnenstrahl.

  • Wo lebst du? Wovon lebst du?

Ich lebe im Instituto Santíssima Trindade und bin seit 2007 als Mitarbeiterin im sozial-diakonisch-missionarischen Dienst bei der Lutherischen Kirchenmission angestellt und habe somit seitdem auch wieder ein Gehalt.

  • Wie ist das Projekt Sonnenstrahl der Schulen der Armen entstanden?

An den drei Schulen der Armen wurde schon immer ( seit Gründung 1966 ) Menschen in Not geholfen. Das Projekt entstand durch die Idee, Familien längerfristig und geplanter zu helfen und eben nicht nur dann, „wenn´s brennt“.

  • Wie kamt ihr auf die Idee, Lebensmittelpakete zu verteilen? Wer ist daran beteiligt?

Lebensmittelpakete sind eine übliche Form der Hilfe in Brasilien. Es gibt Firmen, die nur mit Lebensmittelpaketen arbeiten. Durch Spenden können wir die Lebensmittelpakete kaufen

( sie werden an die Schule geliefert ) und wir verteilen sie nach einem Moment zusammen mit dem Schulpastor, der für die Familien eine kleine Andacht hält.

  • Wie bestreiten die Menschen ihren Lebensunterhalt?/ Können sie nicht ausreichend für sich selber sorgen?

Viele Familien leben von einem sehr geringen Einkommen ( umgerechnet 30-40 Euro ), welches sie durch Hilfsarbeiten oder Müllsammeln verdienen. Manche gehen putzen. Für sich alleine könnten die meisten von ihnen schon sorgen, aber eben nicht auch noch für ihre Kinder, für die diese Hilfe einfach wichtig ist, denn oft bekommen sie nichts zu essen.

  • Von wem bekommen die Menschen in den Favelas Hilfe?

Viele Familien bekommen ein staatliches Kindergeld, was jedoch in der Höhe von Familie zu Familie schwankt. Da gibt allein erziehende Mütter mit fünf Kindern, die umgerechnet 60 Euro erhalten und andere, die 100 Euro bekommen, mit denen sie aber auch hier in Brasilien nicht auskommen.

  • Wer wählt die Familien aus, welche Kriterien werden angelegt?

Alle Familien haben Kinder an den Schulen der Armen. Entweder bitten uns die Familien direkt um Hilfe, oder die Lehrer melden sich, weil ihnen ein Kind besonders auffällt und dann besuchen wir diese Familie zu Hause und schauen uns die Situation an.

  • Wie kommen die Pakete zu den Familien?

Die Familien holen die Pakete an der Schule ab. Wir treffen uns, wie vorher erwähnt, zu einer Andacht mit dem Schulpastor und danach nehmen die Familien die Lebensmittelpakete in Empfang.

  • Was habt ihr vom durch das Benefizseminar gespendeten Geld gekauft?

Von der Spende haben wir eine neue Familie ins Projekt Sonnenstrahl aufgenommen, die davon für ein Jahr jeden Monat ein Lebensmittelpaket geschenkt bekommt und wir haben davon Material für den Sportunterricht gekauft.

  • Wie sieht Sportunterricht in der Schule aus?

An allen drei Schulen gibt es Sportlehrer, die mit den Kindern auf dem Schulhof ( da es keine Sporthalle an den Schulen gibt ) Sportunterricht machen.

  • Welche Bedeutung hat der Sportunterricht für die Kinder?

Der Sportunterricht ist extrem wichtig für die Kinder und sie sind alle fröhlich dabei. Sport ist wichtig, für die Motorik und Koordination dieser Kinder, die nicht – wie in Deutschland so viele Kinder – schon früh in allem gefördert wurden. Genauso sind die Sportspiele als Gruppe wichtig.

  • Wieso sollen wir lieber für brasilianische als für deutsche Kinder spenden?/ Was kennzeichnet das Leben der Kinder in den Favelas?

Ganz sicher gibt es in Deutschland auch viele Kinder, die Hilfe brauchen und ich freue mich sehr über Menschen, die diese Not wahrnehmen und helfen. Das Leben vieler Kinder in den Favelas sieht komplett anders aus, als die meisten es sich auch nur vorstellen könnten. Angefangen damit, dass die Kinder kein eigenes Bett besitzen. Viele haben keine Spielsachen, manche auch keine passenden Schuhe und sie sind schon mit kleinen Dingen einfach so glücklich.

  • Wie sieht das Leben in einer Favela aus (san. Anlagen, Gefahren, mediz. Versorgung, Gewalt)

Ganz unterschiedlich. Mit sanitären Anlagen wird es glücklicherweise immer besser und viele Haushalte haben inzwischen zumindest Wasser, manche von ihnen auch ein Bad. Die offenen Abwassergräben von vor 10 Jahren sind inzwischen auch Geschichte – und nachdem Wahlen waren sind nun auch schon viele der Strassen asphaltiert!

Alle Menschen haben das Recht auf eine kostenfreie medizinische Versorgung in den Gesundheitsposten und im Krankenhaus, jedoch müssen sie oft lange, lange warten.

Und Gewalt: Da in den Favelas ein hoher Drogenkonsum herrscht, ist es gefährlich. Menschen sind unzurechenbar und leben in einem Kreislauf, aus dem viele nicht wieder herauskommen. Drogen. Überfälle, um die Drogen bezahlen zu können. Mord,…

  • Wie oft und wieso kommst du nach Deutschland?

Ich komme alle 1 ½ Jahre nach Deutschland, um über die Arbeit der Schulen der Armen und die vom Instituto Santíssima Trinade zu berichten und Spenden dafür zu sammeln – und natürlich auch, um Familie und Freunde zumindest kurz einmal wiederzusehen.

  • Wann bist du wieder in Verden? Können interessierte Menschen dich persönlich treffen, um mehr über deine Arbeit zu erfahren?

Ich werde von Mitte Mai – Mitte Juni 2015 in Deutschland sein und interessierte Menschen sind herzlich zu meinem Vortrag am 29.05.15 um 19:30 Uhr in der Zionsgemeinde Verden, Anita-Augspurg-Platz 11, eingeladen.

Um die Arbeit von Andrea Riemann zu unterstützen wird es vom Förderkreis Brasilien Langwedel – Verden in Kooperation mit der Shímáo WingTsun Academy – Verden ein Benefizseminar geben. Wir laden alle herzlich ein am 06.06.2015 teilzunehmen. Weitere Infos unter: http://verden.shimao-wingtsun.de/event/98/?instance_id=13

Sihing Dirk

WingTsun seit 2004 bei Sifu Olaf Komoss; seit 2005 Übungsleiter; 2008 Prüfung zum 1. TG bei GM Sifu Martin Dragos; 2015 Krav Maga Basic und Law Enforcement Instructor MAA-I seit 2008 eigene Schule in Verden (Aller); Referent für Deeskalation, Selbstverteidigung, Kindertraining

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