15. Mai 2015 | Posted in:Allgemein, Selbstverteidigung, WingTsun

Der Markt der Selbstverteidigungskurse wächst. Immer mehr haben den Wunsch sich selbst schützen zu können. In Deutschland ist dieses Recht durch die Gesetzgebung im Strafgesetzbuch geregelt, die entsprechenden Paragraphen findet ihr hier. Hier bei gibt es jedoch auch einige Fallstricke. In diesem Beitrag möchte ich euch aufklären was erlkaubt ist und was nicht.

Wann darf ich mich gewaltsam verteidigen?

Das Gesetz sagt:

Paragraph 32 StGB – Notwehr

1. Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.

2. Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.

Das heißt wir dürfen uns immer dann verteidigen wenn es sich um einen gegenwärtigen und rechtswidrigen Angriff handelt. Dabei dürfen wir uns nur dem Mittel bedienen, welches geeignet und erforderlich ist um den Angriff abzuwehren. Wir müssen aber auch kein milderes Mittel wählen, dass eventuell nicht erfolgreich ist. Gegenwärtig heißt in diesem Fall, dass der Angriff unmittelbar bevorstehen muss, gerade stattfindet oder noch andauert.

Rechtswidrig ist ein Angriff immer dann wenn er gegen das geltende Gesetz verstößt. Ein Angriff ist dann nicht rechtswidrig wenn derjenige der angegriffen wird den Angriff dulden muss. Dies ist zum Beispiel bei einer Festnahme durch die Polizei der Fall. Genauso wenn der Angreifende selbst in Notwehr handelt.

Natürlich ist es mir auch erlaubt die Rechtsgüter anderer zu schützen, soweit dies nötig ist. Dies nennt man dann “Nothilfe”. Wir dürfen alle Rechtsgüter mit Notwehr geschützt werden. Rechtsgüter sind zum Beispiel:

Leben, Leib, Freiheit, Ehre, ungeborenes Leben, Recht am eigenen Bild, Fortbewegungsfreiheit, Hausrecht, Eigentum und Besitz.

Bei der Verteidigung diese Rechtsgüter ist auch immer auf die Verhältnismäßigkeit zu achten. Daher kann ein Angegriffener auch verpflichtet sein sich nicht zu verteidigen. Dies ist zum Beispiel der Fall bei einem krassen Missverhältnis zwischen dem Angreifer und Angegriffenen, bei Bagatellangriffen wie Beleidigungen oder bei Absichtsprovokationen, wenn zum Beispiel dauernde Beleidigungen das Ziel haben, dass mein Gegenüber einen Angriff startet und ich mich dann wehre.

Wichtig ist:

Wenn ich einen Angreifer verletzt habe und von ihm keine Gefahr für mich oder andere mehr ausgeht, bin ich verpflichtet diesem zu helfen.

Nach einem Notwehrfall sollte möglichst schnell eine Aussage bei der Polizei gemacht werden. Nur so können die Behörden auch von einer Notwehrlage ausgehen können. Bei einer unklaren Situation, ob es sich um Notwehr handelt oder nicht, sollte zwingend ein Rechtsbeistand zu Rate gezogen werden. Mit diesem sollte sich vor einer eigenen Stellungnahme unbedingt abgestimmt werden.

Sihing Dirk

WingTsun seit 2004 bei Sifu Olaf Komoss; seit 2005 Übungsleiter; 2008 Prüfung zum 1. TG bei GM Sifu Martin Dragos; 2015 Krav Maga Basic und Law Enforcement Instructor MAA-I seit 2008 eigene Schule in Verden (Aller); Referent für Deeskalation, Selbstverteidigung, Kindertraining

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